Führung durch die Werkstätten der Lebenshilfe Deggendorf
Der Pfarrgemeinderat Hengersberg lud in Kooperation mit der Katholischen Erwachsenenbildung im Landkreis Deggendorf (KEB) zu einer Führung durch die Werkstätten der Lebenshilfe Deggendorf ein, an der auch einige Mitglieder des Kolpingvereins mit ihrem Vorsitzenden Herrn Bügler teilnahmen.
Wolfgang Geier, sowohl ehrenamtlicher Vorsitzender der Lebenshilfe Deggendorf e. V. als auch der KEB, führte auf lebendige Art und Weise durch die verschiedenen Arbeitsbereiche für geistig behinderte Menschen in den Deggendorfer Werkstätten.
Insgesamt sind bei der Lebenshilfe in gut 20 Einrichtungen wie den Werkstätten, Förderstätten, Wohn- und Wohnpflegeheimen, der St.-Notker-Schule und der Frühförderstelle rund 1400 Mitarbeitende beschäftigt, davon etwa die Hälfte behinderte Menschen. Beeindruckt waren die Zuhörer zu hören, dass der Verein eine Bilanzsumme von ca. 50 Millionen Euro jährlich verwaltet.
In den Werkstätten arbeiten geistig/mehrfach behinderte Menschen, die am ersten Arbeitsmarkt geringe bis keine Chance auf Beschäftigung haben. Die Eingliederung in den regulären Arbeitsmarkt ist jedoch durchaus möglich. Aktuell arbeiten zehn Menschen in sogenannten Außenarbeitsplätzen.
Die besuchten Werkstätten in der Max-Peinkofer-Straße sind vorrangig mit der Montage von Teilen für Firmen wie Kermi (Heizkörper) und Rittal (Schaltschränke) beschäftigt. Dabei müssen Qualität und Preis den Anforderungen des ersten Arbeitsmarktes genügen, d. h. die Lebenshilfe unterliegt dem Wettbewerb der freien Wirtschaft.
Die behinderten Menschen arbeiten je nach Leistungsvermögen in verschiedenen Gruppen. Es gibt Menschen, die sehr schnell, konzentriert und ausdauernd arbeiten können. Wer mehr Pausen und Betreuung braucht und nicht zur Ganztagsarbeit in der Lage ist, arbeitet halbtags oder mit vermindertem Anspruch, ganz auf seine Konstitution ausgerichtet.
Im Haus befinden sich ein eigener Sozialdienst sowie die Werkstattvertretung, an die sich jeder behinderte Mensch bei Problemen oder Fragen wenden kann.
Eine eigene Großküche mit modernster Ausstattung versorgt die Einrichtungen der Lebenshilfe, aber auch externe Gäste umliegender Firmen, täglich mit hochwertigen, gesunden und schmackhaften Mahlzeiten. Auch in der Küche arbeiten einige behinderte Menschen.
Eine andere Abteilung arbeitet kreativ und kunsthandwerklich, dort werden Grußkarten, Dekoartikel verschiedener Art, auch jahreszeitlich wechselnd, hergestellt. Sie werden beim Sommerfest und Weihnachtsmarkt sowie ganzjährig im Verkaufsladen in der Metzgergasse verkauft.
Herr Geier erzählte, dass die Pandemie für die behinderten Mitarbeiter eine schwierige, schlimme Zeit war, da sie aufgrund ihrer gesundheitlichen Disposition nicht in den Werkstätten arbeiten durften. Wie gern sie dort arbeiten und wie sehr ihre Arbeit ihnen Aufgabe und Struktur gibt, konnten die Teilnehmer bei der Führung beobachten und bei Gesprächen erfahren.
Dass es Bestrebungen in bestimmten politischen Kreisen gibt, behinderten Menschen die – ihnen per Grundgesetz und aufgrund der allen gleichermaßen zustehenden Menschenrechte – Inklusion zu beschneiden oder gar abzuschaffen, macht Herrn Geier traurig und wütend.
,Nicht behindert zu sein ist wahrlich kein Verdienst, sondern ein Geschenk, das jedem von uns jederzeit genommen werden kann.‘ Diese Aussage von Richard von Weizsäcker steht auf der Homepage der Lebenshilfe Deggendorf. Zumindest das müsste uns allen doch zu denken geben!?
Christine Kremheller, Bildungsbeauftragte der Pfarrei Hengersberg, bedankte sich bei dem Vorsitzenden Herrn Wolfgang Geier für den interessanten Nachmittag und den berührenden Einblick in den Arbeitsalltag behinderter Menschen.




