Entlastung im Alltag für Familien mit schwersterkrankten Kindern.
Auf Einladung des Pfarrgemeinderats Hengersberg in Kooperation mit der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB) im Landkreis Deggendorf stellte Frau Astrid Kantner, Leitung Öffentlichkeitsarbeit & Fundraising, das seit September 2023 bestehende Haus ANNA in Eichendorf vor. Das Haus wird durch die Stiftung Ambulantes Kinderhospiz München (AKM) betrieben. Die Stiftung wurde 2004 von Frau Christine Bronner gegründet. Die Gründerin stellte aufgrund persönlicher Betroffenheit schmerzlich fest, dass es wenig
bis gar keine Unterstützung für Familien mit schwersterkrankten Ungeborenen, Neugeborenen, Kleinkindern, Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen über die rein medizinische Versorgung hinaus gab. Dieses Defizit will die AKM ausgleichen mit dem Ziel der Unterstützung im Alltag, der Förderung der gesellschaftlichen Teilhabe sowie der Vernetzung im sozialen Umfeld. Im Fokus steht
immer die gesamte Familie. Die unschätzbar wichtige Aufgabe übernehmen innerhalb der Stiftung rund 300 Ehrenamtliche sowie 150 Hauptamtliche, viele auch in Teilzeit. Die Arbeit der Stiftung muss zu mehr als 60 Prozent spendenfinanziert erfolgen. Das ist eine große Herausforderung, darum ist die Referentin häufig auf
Spendenakquise bei Vereinen oder Firmen unterwegs und stellt die wertvolle Leistung des AKM gerne interessierten Zuhörern vor.
Mittlerweile gibt es zusätzlich zum Sitz in München drei Zentren in Bayern, um die Betreuung der Familien wohnortnäher zu ermöglichen. Das Haus in Eichendorf ergänzt die bestehende ambulante Versorgung mit einem teilstationären Angebot zur
Tages-, Nacht- und Wochenendbetreuung. Nach der individuellen
Eingewöhnungsphase werden die Gäste (so werden die Kinder genannt, nicht Patienten) ohne dauernde Anwesenheit der Angehörigen versorgt. Somit besteht die Möglichkeit für die Familien, Kraft zu tanken, Zeit für sich zu haben, sich zu
regenerieren und vielfältige Unterstützung durch das multiprofessionelle Team zu erhalten. Auch wenn der häusliche Pflegedienst ausfällt, kann das Haus ANNA einspringen.
Frau Kantner ist nicht so glücklich mit dem Begriff ‚Hospiz’. Sie betont, dass die Gäste nicht zum Sterben kommen, sondern sie und ihre Familien werden begleitet.
Bis heute ist im Haus ANNA noch kein Gast verstorben, obwohl ein Abschiedsraum vorgehalten wird. Die Einrichtung des Hauses ist auf die Bedürfnisse der Bewohner von 0 bis 27 Jahren zugeschnitten, hell, freundlich und ansprechend. Allein die Inneneinrichtung kostete ca. zweieinhalb Millionen Euro. Es stehen acht Zimmer für
die Gäste sowie zwei Familienappartements bereit. Letztere werden genutzt bei der Eingewöhnung der Kinder, nach einer OP, während des laufenden Umbaus bei der Familie zuhause oder auch des bevorstehenden Abschieds. Frau Kantner erzählt, dass im Haus ANNA auch viel gelacht wird. Es wird gespielt, mit den Bewohnern des benachbarten Seniorenheims gesungen, Musik gemacht und
vieles mehr. Den Gästen werden individuelle Wünsche mach Möglichkeit erfüllt, auch Herzenswünsche wie zum Beispiel ein Treffen mit einem Fußballer des FC Bayern München. Und wenn ein Kind nachts um drei einen Pfannkuchen möchte, dann bäckt
eine Mitarbeiterin diesen.
Große Unterstützung erfahren Familien auch in der Sorge um Geschwisterkinder. Für diese bleibt oftmals wegen ihrer schwerkranken Geschwister kaum Zeit. Aus diesem
Grund gehören Aktionen und Unternehmungen, aber auch Gespräche und Zuwendung zum festen Bestandteil der vielfältigen Angebote des AKM. Die Begleitung einer Familie veranschlagt die Referentin mit Kosten von ca. 6500 Euro pro Jahr – welch eine moderate Summe für eine dermaßen segensreiche Hilfe.
Fotos und ein Video des Hauses gaben einen schönen Einblick, wie hell, luftig und altersgerecht den Bedürfnissen der Gäste nachgekommen wird. Die Zuhörer zeigten sich sehr bewegt und versprachen, ihre Eindrücke der unendlich wertvollen Arbeit als
Multiplikatoren weiterzugeben. Warum nicht einen runden Geburtstag, eine Veranstaltung oder Feier zum Anlass nehmen, die Stiftung mit einer Spende zu bedenken? Statt Kränzen oder Gestecken am Grab um Spenden bitten?
Die Referentin bat die Zuhörer bewusst nicht um Geld, sondern, die Stiftung und das Haus ANNA bekanntzumachen. Auch gut zu wissen, Betroffene können bei akuten Fällen den „Ruf 24“ rund um die Uhr nutzen. Dort wird von geschulten Kräften versucht, die Familie zu stabilisieren und erste Unterstützung anzubieten.
Beeindruckt und trotz des Themas positiv gestimmt bedankte sich die Bildungsbeauftragte der Pfarrei Hengersberg, Christine Kremheller, mit einem Glas ‚KEB-Honig‘ bei Astrid Kantner.
Text Christine Kremheller, Foto Josef Kremheller
