Entrümpeln tut auch der Seele gut

Auf Einladung des Pfarrgemeinderats Hengersberg in Zusammenarbeit mit der KEB (Katholische
Erwachsenenbildung im Landkreis Deggendorf) sprach Frau Anna Berlinger vor 30 interessierten Zuhörern über das
Thema ‚Entrümpeln tut auch der Seele gut‘.


Chaos kann Depressionen bewirken oder Depressionen Chaos…? Ein Zusammenhang ist auf jeden Fall wissenschaftlich bewiesen. Jedoch ist Aufräumen nicht gleich Entrümpeln/Ausmisten. Dass beides gesund für die Psyche ist, steht fest. Ordnung oder Platz schaffen regt das Belohnungszentrum im Gehirn an. Das Hormon Dopamin wird ausgeschüttet, das ist nachgewiesen. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen! Die Anregung der Referentin, sich danach mit einem Eisbecher zu belohnen, sorgte für große Heiterkeit im Publikum.
Ebenso lernt man Dinge wieder wertzuschätzen beim Ausmisten, man erhält einen Überblick, was man alles besitzt und so manches Vergessene wird wieder neu entdeckt.
Ein Problem kann es insbesondere in Partnerschaft und Familie geben wegen unterschiedlicher Ordnungstypen.
Dazu kam die klare, witzige Aussage: Ehe ist ein anderes Wort für Kompromiss… tabu ist es natürlich, ungefragt Sachen von anderen wegzuwerfen. Glücklich der- oder diejenigen, die Platz haben für ein eigenes Zimmer oder einen eigenen Bereich. Dort kann dann jeder seine eigene Ordnung oder auch Unordnung ,pflegen‘.
Zum Entrümpeln gehört die richtige Motivation. Es funktioniert auf keinen Fall, wenn ich es nicht selber will, dazu nicht bereit bin. Der bloße Wunsch reicht nicht und wenn man ,schlecht drauf‘ ist, braucht man gar nicht erst anzufangen.
Frau Berlinger schlägt vor, mit einfachen Dingen zu beginnen wie dem überfüllten Küchentisch, dem Gang oder der Garderobe. Ich fasse die klare Entscheidung zum Ausmisten, setze mir kleine Ziele und fange beherzt an – nur so ist ein Erfolgserlebnis möglich.
Dann ging es in die Praxis.
Zuerst schaffe ich Platz und stelle mir fünf große Kartons mit folgender Beschriftung bereit: Verkaufen, Verschenken,
Spenden, Reparieren und Wegwerfen.
Ich nehme mir eine Schublade, ein Regal oder ein Fach im Schrank vor und räume dieses komplett aus. So bin ich gezwungen, jedes Teil in die Hand zu nehmen und eine bewusste Entscheidung zu treffen. Kaputtes weg zu werfen fällt natürlich am leichtesten.
Bei jedem Gegenstand frage ich mich:
Brauche ich ihn wirklich?
Benutze ich ihn tatsächlich?
Macht er mich glücklich bzw. bereichert mein Leben?
Würde ich ihn vermissen?
Würde ich ihn nochmal kaufen?
Der Inhalt der Kisten 1 bis 4 bekommt eine zweite Chance, wird verkauft, verschenkt, gespendet usw. Dazu gibt es
die Möglichkeit verschiedener Verkaufsplattformen, gemeinnützige Organisationen wie BRK betreiben Kleiderkammern, Kaufhaus Wahren Wert u. a. freuen sich über guterhaltene, saubere und hochwertige Spenden. So fällt die Trennung von liebgewordenen, aber nicht mehr benötigten Gegenständen leichter, wenn man seine
Lieblinge in gute Hände gibt. Auch die Möglichkeit von Mitnahmeschränken oder -Regalen auf privatem Grund oder
in öffentlichen Einrichtungen wie Gemeindebüchereien o. a. wurde angeregt.
Wenn die Kisten geschafft sind, gehe ich die zum Behalten vorgesehenen Gegenstände durch und dezimiere gegebenenfalls.
Die Referentin gab auch den Rat, nach drei Stunden, vor allem anfangs, aufzuhören, eine längere Aktion überfordere das Gehirn.
Um die neugeschaffene Ordnung und den gewonnenen Platz auf Dauer zu bewahren, sollte jedes Ding seinen festen Ort haben und die Regel beachtet werden, dass bei Neuanschaffung etwas Altes weggegeben wird.
Zum Sonderfall ‚Elternhaus ausräumen’ gibt es diverse Portale oder auch Firmen, die dies gegen Mobiliar erledigen.
Die Website www.adieuelternhaus.de gefällt Frau Berlinger persönlich, ohne dass sie dazu natürlich eine konkrete Empfehlung oder Bewertung abgibt.
Mit dem passenden Bibelvers Matthäus 6, 19 – 21 über das Schätze sammeln auf Erden, wo sie von Rost und Motten zerfressen werden, endete ein sehr anregender, unterhaltsamer und kurzweiliger Abend, der bestimmt manchen hilft, sich leichter von seinen Schätzen zu trennen.
Christine Kremheller, die Bildungsbeauftragte der Pfarrei Hengersberg, bedankte sich bei Anna Berlinger mit einem
Glas KEB-Honig für den schönen Vortrag.